Interview von Claude Turmes im "d'Handwierk"

Die Solaroffensive

Interview: d'Handwierk

D'Handwierk: In den kommenden Jahren soll der Anteil an erneuerbaren Energien konsequent nach oben geschraubt werden. Eine tragende Rolle soll dabei die Solarenergie spielen. Was plant die Regierung in diesem Kontext?

Claude Turmes: Die beste Energie ist die Energie, die man nicht verbraucht. Deshalb treiben wir die Energieeffizienz voran. Darüber hinaus müssen wir den Anteil der erneuerbaren Energie am Energiemix relativ schnell steigern, um vereinbarte Energie- und Klimaziele zu erreichen. Die Sonnenenergie ist dabei ein wichtiges Element, das wir in den kommenden Jahren noch stärker ausbauen möchten. 
Ein erster Schritt ist, dass wir die Einspeisetarife für Privatpersonen spürbar erhöht haben. Im aktuellen Umfeld kann man sagen, dass eine Investition in Solarenergie wesentlich rentabler ist, als wenn man das Geld auf einem Sparbuch parken würde. Entsprechend rechnen wir damit, dass die Nachfrage an Solaranlagen in den kommenden Monaten steigen wird.

In einem zweiten Schritt werden wir auch größere Solaranlagen zwischen 200 und 500 KW fördern, um Dachflächen von Unternehmen und anderen Nutzgebäuden zu mobilisieren. Um das Potenzial zu erfassen, werden wir bis 2020 einen Solarkataster ausarbeiten und mit zusätzlichen Maßnahmen für Unternehmen ausarbeiten. 

D'Handwierk: Darüber hinaus spielt Solarenergie auch in der Mobilität eine größere Rolle? 

Claude Turmes: Ja das stimmt. Das Gesetz über die sogenannte Selbstversorgung ist in Vorbereitung. Dies bedeutet, dass ein Haushalt oder ein Unternehmen den Strom, der von Solaranlage produziert wird, nicht mehr automatisch in die Netzinfrastruktur einspeist, sondern selbst nutzt und eventuell in eigenen Batterien speichern kann. So könnte man z.B. über Nacht ein Elektroauto mit Strom aufladen, der tagsüber von der Solaranlage produziert wurde.

D'Handwierk: Die Energiewende bringt ja auch Chancen für die Handwerksunternehmen. Wie sehen sie die Zusammenarbeit auf diesem Punkt?

Claude Turmes: Ich bin der Überzeugung, dass das Thema Energiewende ein enormes Potenzial für zahlreiche Handwerksunternehmen darstellt, die ja hier in Luxemburg bereits sehr qualifiziert sind. Bei dieser Thematik ziehen alle an einem Strang und ich sehe die Handwerksunternehmen als einen engagierten und verlässlichen Partner bei der Energiewende. Mit dem Projekt Diego gehen Enovos und die Fédération des Artisans bei der Sensibilisierung und der Vermarktung von Solarenergie gemeinsame Wege. Mit den Kompetenzzentren des Handwerks und dem IFSB investiert der Sektor in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter damit die Unternehmen die Energiewende optimal begleiten können. Großes Potenzial sehe ich auch in der Regeltechnik und in lokalen Energienetzwerken. Zudem müssen deutlich mehr Gebäude energetisch saniert sein. Es wartet also eine Menge Arbeit auf jeden von uns.

D'Handwierk: Herr Turmes, wir danken für das Gespräch.

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